Sin City – Eine Stadt voller Verbrechen, Korruption und Sünde wird zum Handlungsort von sieben Geschichten. Das raue Pflaster bietet Kriminellen wie Polizisten, Tänzerinnen und Raufbolden reichlich Spielraum, ihren dubiosen Machenschaften zu frönen. Vor wenigen Wochen haben wir an gleicher Stelle die ersten beiden Bücher dieser außergewöhnlichen graphic novel-Reihe vorgestellt, jetzt sind auch Teile drei und vier der Neuauflage (Cross Cult Verlag, 22 bzw. 28 Euro) im Handel erhältlich. Autor Frank Miller gelingt erneut ein fulminanter Mix aus visuellem Exzess und grotesken Storys, die gleichermaßen faszinieren und verstören.
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Sin City 3: Das große Sterben
Als Dwight dem üblen Schläger Jackie-Boy einen Denkzettel verpassen will, geschieht ein Unfall, der weitreichende Konsequenzen für Sin City haben könnte. Der Versuch, das Geschehene zu vertuschen, misslingt ordentlich, worauf sich die Situation immer mehr zuspitzt. Eine der Stärken von Millers Sin City-Zyklus ist die Tatsache, dass immer wieder andere Charaktere im Vordergrund stehen. Diese bilden einen Querschnitt der unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen ab, die sich im fiktiven Verbrecher-Moloch Sin City eingefunden haben – vom „bad cop“ bis zum gutherzigen Schläger sind alle Fraktionen vertreten. „Das große Sterben“ wird zur Geschichte eines Mannes, der irgendwo zwischen den Seiten steht und beim berühmt-berüchtigten Gang auf Messers Schneide kurz vor dem fatalen Fehltritt steht. Solche Grenzgänger sind Millers Lieblinge, sie bringen die Ambivalenz der Stadt auf den kleinsten Nenner: Ihre Einwohner, oft mit dem Rücken zur Wand, immer unter Hochspannung. So sieht sich Dwight plötzlich in einem Karussell des Schreckens, als Spielball undurchsichtiger Akteure. Lustvoll lässt Miller ihn straucheln, ja sogar stolpern. Das Gute, nicht wirklich offensichtlich aber als solches erkennbar, scheint sich einer dunklen Zukunft ergeben zu müssen. Doch dann der plot-twist. Kompromisslos wird zu Ende gebracht, was begonnen wurde. „Das große Sterben“ ist blutig und gewalterfüllt – setzt damit nicht minder das fort, was die ersten beiden Teile begonnen haben, erneut auf anderer Ebene. Langeweile ist bei Miller ein Fremdwort.
Sin City 4: Dieser feige Bastard
Cop Hartigan steht am Ende seiner Laufbahn, das schwache Herz hat ihm den 
Sin City-Puzzle nimmt Konturen an
„Das große Sterben“ und „Dieser feige Bastard“ führen konsequent fort, was „Stadt ohne Gnade“ und „Eine Braut, für die man mordet“ begonnen hat. Sin City mitsamt seinen dunklen, zwielichtigen Gestalten lebt vor dem inneren Auge des Betrachters immer mehr auf. Das wenige Gute, kämpft aufopferungsvoll gegen den Verfall. Dazu lernt der Leser neue Charaktere kennen, die jedoch mit den bereits eingeführten Figuren in Verbindung stehen. Wie ein Puzzle setzt sich das Bild immer mehr zusammen. Nach wie vor nimmt Autor und Zeichner Frank Miller kein Blatt „vor den Mund“. „Sin City“ ist weder etwas für Kinder und Jugendliche, noch für Zartbesaitete. Alle Fans von noir-Stoffen oder des hard boiled-Genres sind die Zielgruppe, die durch diese Neuauflage angesprochen wird. Die Hardcoverbände aus dem Haus Cross Cult sind wie ihre Vorgänger qualitativ einwandfrei verarbeitet und ziehen durch ihr tolles Design alle Blicke auf sich. Auf nach Sin City, die Stadt der tiefen Abgründe und fesselnden Typen!
(mo)
Fotocredit: Cross Cult Verlag





