Vor kurzem ist der Kinohit „Soul Kitchen“ von Fatih Akin auf DVD und Blu-ray gestartet. Zu diesem Anlass hat der ruhr-guide eine ausführliche Rezension veröffentlicht, die nun mit diesem Buch-Hinweis erweitert wird: Alle Freunde des Films können getrost ihrem Discplayer eine Pause gönnen und die Lesebrille herauskramen: Schriftstellerin Jasmin Ramadan hat in Romanform die Vorgeschichte zum Film aufgeschrieben. Das 254 Seiten starke Taschenbuch ist flott und locker geschrieben, im Blumenbar-Verlag erschienen und jetzt überall im Handel erhältlich.
[ruhr-guide] Bei „Romanen zum Film“ ist immer Vorsicht geboten. Oft schreibt ein Autor auf Basis des bereits 
Im Fokus: Zinos
Bei ihrer Erzählung stürzt sich Ramadan auf den zentralen Charakter des Films, dem von Adam Bousdoukos gespielten Gastronomen Zinos. Beginnend bei dessen Jugendjahren im Haus der Eltern, dem Aufwachsen mit Bruder Illias, der im Film von Moritz Bleibtreu gespielt wird, hin zur ersten eigenen Wohnung. Bald sagen die Eltern „Adios“, ziehen zurück nach Griechenland und da der ältere Bruder aufgrund diverser Delikte zeitweise nur im Knast anzutreffen ist, findet sich Zinos vollkommen auf sich allein gestellt wieder. Nebenjobs, die erste Liebe und vor allem viele Enttäuschungen pflastern zunächst seinen grauen Alltag in Hamburg.
Road Movie in Romanform
Doch jetzt geht es für Zinos erst richtig los. Bei der Suche nach sich selbst besucht er eine Verwandte in Griechenland, lernt dort das unbeschwerte Insel-Leben kennen. Nach einigen Monaten geht es wieder zurück nach Hamburg, wo er diverse Jobs und eine Ausbildung hinter sich bringt und viele Erfahrungen sammelt. Die Autorin bereitet Zinos‘ Coming-of-Age-Geschichte jederzeit unterhaltsam auf, so dass der Leser ohne große Mühen durch die 254 Seiten findet. Mit einer Menge Witz, Ironie und einer Prise Verrücktheit garniert Ramadan diese Vorgeschichte zum souligen Kinohit, Buch und Film erzählen mit dem selben Tonfall. Wer die Figuren des Films ins Herz geschlossen hat, wird sicher nicht bereuen, diesen Roman aus dem Buchladen mitgenommen zu haben. Doch auch wenn die episodenhaften Geschichten enorm fesseln und einfach Spass machen, das Ende kommt etwas zu abrupt. Dort hätte sich Jasmin Ramadan ruhig ein paar Seiten mehr gönnen sollen, um eine feinere Naht zum Filmbeginn zu kreieren. Doch dies ist auch schon der einzige Kritikpunkt, der auf das kurzweilige Werk zutrifft.
Essen als Leitthema
Hervorragend verarbeitet die Autorin jegliche Themen rund um Essen als Leitthema. Damit stellt sich nicht nur eine kluge Verbindung zum Film her, sondern verleiht dem Zentralcharakter Zinos auch seine tieferen Wesenszüge, denn von Geburt an verbindet er gewisse Erfahrungen mit diversen Speisen und Getränken. Dies reicht von der Nähe zu Menschen zu weiteren emotionalen Knotenpunkte. Am Ende jedes Kapitels reicht Ramadan zusätzlich ein Rezept zu einer im Text erwähnten Speise – eine tolle Idee für Praktiker, die gerne selbst den Kochlöffel schwingen. So zieht sich die Leidenschaft für gutes Essen als rote Linie durch das Buch und schafft die Vorraussetzung für die weiteren Ereignisse im „Soul Kitchen“. Die sind dann aber nicht mehr nachzulesen, sondern auf DVD zu sehen!
(mo)
Bildquelle: Blumenbar Verlag





